Bildungspolitik in Italien

Das italienische Bildungssystem gliedert sich in die freiwillige Vorschule für Kinder bis 5 Jahre, die Grundschule für Kinder bis 11 Jahre, die erste (Kinder bis 14 Jahre) und zweite Sekundarstufe, Berufsschulen sowie Hochschulen und Universitäten. Nach dem Besuch der ersten Sekundarstufe (vergleichbar mit Haupt- u. Realschulen in Deutschland), müssen sich die Schüler, bzw. deren Eltern, entweder für eine Berufsausbildung oder die obere Sekundarstufe (Gymnasium) entscheiden. Während die Schulen bis zur ersten Sekundarstufe in der Trägerschaft der italienischen Kommunen liegen, ist für die Schulen ab Sekundarstufe 2 und alle weiterführenden Bildungseinrichtungen außer den Berufsschulen der italienische Staat zuständig.

Das italienische Bildungssystem ist seit 2003 mehrfach reformiert worden. Hintergrund dieser Reformen ist zum einen die Vereinheitlichung der oberen Sekundarschulen, deren inhaltliche Ausrichtung bis 2010 sehr breit gefächert war. Seit 2010 werden nur noch die Zweige Kunst, Musik, Geisteswissenschaften, Sprachwissenschaften, Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften angeboten. Zum anderen ist auch der von den italienischen Regionen getragene Berufsschulzweig von Reformen betroffen. Die Fachoberschulen, Handwerksschulen und Berufsfachschulen haben aufgrund dieser Reformen seit 2010 ein landesweit einheitliches Bildungsangebot. Gleichzeitig versucht der italienische Staat durch die Schulreformen den einzelnen Schulen mehr Autonomie hinsichtlich der Verwendung der finanziellen Ausstattung zu gewähren (Stichwort: Budgetierung).

Alle Reformen seit 2003 haben auch zu Stellenabbau beim Lehrpersonal geführt.  Die italienische Regierung wird hinsichtlich ihrer Bildungspolitik sowohl national als auch international massiv kritisiert. So wird der Regierung Berlusconi vorgeworfen, dass sich Italien aufgrund der Reformen aus dem internationalen Bildungswettbewerb verabschieden würde und dass die Bildungspolitik insgesamt rückwärts gewandt sei. Das regelmäßig schlechte Abschneiden italienischer Schüler bei der Pisa-Studie würde dies belegen. Die Hochschulpolitik Italiens wird von weiten Teilen der italienischen Öffentlichkeit abgelehnt. Das Parlament in Rom hat im November 2010 eine Hochschulreform beschlossen, die Kürzungen der Gelder für öffentliche Universitäten und Hochschulen in Höhe von 700 Millionen Euro allein im Jahr 2011 vorsieht. Im Dezember 2010 kam es deswegen zu Demonstrationen und Protestkundgebungen im ganzen Land.