Bildungspolitik in den Niederlanden

Im Rahmen der Strategie „Europa 2020“, die im Juni 2010 vom Europäischen Rat verabschiedet worden ist, wurden neue Ziele für die Bildungspolitik in Europa gesetzt. Dabei handelt es sich vor allem um die Senkung der Schul- und Ausbildungsabbruchraten und Erhöhung des mittelaltrigen Anteils der Hochschulabsolventen.  Die Bildungspolitik in Beneluxstaaten (Belgien, Niederlande, Luxemburg) entspricht diesen Zielen weitgehend. Die Bildungssysteme der Beneluxländer sind nicht identisch; es werden aber Maßnahmen zur ihren Vereinheitlichung getroffen.

Dieser Prozess wird durch die zahlreichen Austauschprogramme für Schüler und Lehrer unterstützt, welche dank der besonderen sprachlichen Situation der Region (die Verflechtung der flämischen, französischen und deutschen Sprachen) mit wenig Aufwand und sehr effektiv umgesetzt werden. Vor allem gelingt das im tertiären Bildungsbereich. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Teilnahme der Länder am Bologna – Prozess, was zur Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge und somit zur Erhöhung der Hochschulabschlussraten geführt hat.

Besonders positiv hat sich diese Bildungspolitik auf Luxemburg ausgewirkt, wo im 2003 eine eigenständige Universität gegründet wurde. Dieses Ereignis hat mit der Tradition die Studenten ins Ausland zu verschicken gebrochen. Eine weitere Maßnahme – das Stipendium für die in Luxemburg wohnhaften Studenten - soll die ausländischen Studierende ins Land locken. Die Bildungsmöglichkeiten im Tertiärbereich sind nicht auf die üblichen Universitäts- oder Fachhochschulstudiengänge beschränkt.

Es werden zahlreiche Kursen und Seminare zur Weiter- und Fortbildung für alle Altersgruppen angeboten. Somit kommt auch das europäische Programm für Lebenslangen Lernen in Erfüllung. Die Eurostat Daten zeigen, dass durch diese Maßnahmen die Zahl der Erwachsenen in den Beneluxländern, die die Bildungsmöglichkeiten im Tertiärbereich wahrnimmt, innerhalb von fünfzehn Jahren um 3,5 - 4 % und in Luxemburg sogar um 10% gestiegen ist.

Aber auch die Elementar-, Primar- und Sekundärbereiche werden stets gefördert. Die Primar- und Sekundärbereiche in den drei Beneluxländern werden staatlich unterstützt und sind für die Bürger pflichtig. Somit werden die allgemeinen Bildungsstandards und Aufstiegschancen gewährleistet. Die Schulabbruchraten in der Region haben nach den Eurostat Daten innerhalb von fünfzehn Jahren durchschnittlich um 10 % gesunken. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Bildungspolitik der Beneluxstaaten ist die Förderung der Zusammenarbeit von Bildungsstrukturen, Forschungsinstituten und praxisbezogenen Unternehmen.

Dieses Dreieck ist die Voraussetzung für den Fortschritt in mehreren wirtschaftlichen und sozialen Bereichen zugleich. Die europäische Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend Androulla Vassiliou hat auf ihrer Homepage ebenso darauf hingewiesen, dass ohne Bildung kein „intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“ erreichbar ist.